Montag, 29. April 2013
Freitag, 26. April 2013
Donnerstag, 25. April 2013
Mittwoch, 24. April 2013
Dienstag, 23. April 2013
Montag, 22. April 2013
Sonntag, 21. April 2013
Freitag, 19. April 2013
Donnerstag, 18. April 2013
Mittwoch, 17. April 2013
Dienstag, 16. April 2013
Montag, 15. April 2013
Sonntag, 14. April 2013
Samstag, 13. April 2013
Freitag, 12. April 2013
Nur ein Bier
An einem Tag, an dem ich für den
Fortgang der Dinge nichts geleistet hatte, als mich um kommende Tage
dieser Art zu sorgen, geriet ich an der Kasse meines Supermarkts
zwischen polnische Bauarbeiter. Als Dritter von Vieren fiel ich durch
den Umstand auf, dass ich kein Bier kaufte, sondern Artikel, die mich
zwei weitere dieser sorgenvollen Tage am Leben halten. Vor mir: Ein
Pole, dessen robuste Leibesform so unsinnige Sorgen strikt verbietet,
selbst wenn sie dem knolligen Kopf doch einmal entspringen sollten.
Zum Bier kaufte er Chips. Vor ihm wiederum ein schlanker, sehr
feingliederiger Pole, mit dickem schwarzem Haar, hinten gehalten von
einer ebenfalls schwarzen, inzwischen zu warmen Mütze. Spritzer
getrockneter Farbe bedeckten alles an ihm. Darin glich er seinen
Gefährten, verriet aber in allen anderen Belangen seine
Fehlbesetzung. Das schnellen Schweifmuster seiner Augen, die fein
geschnittene Schnurrbart-Frisur, die Könnerschaft, zu warten, ohne
die grobe Ungeduld der meisten Wartenden dieser Welt. Er kaufte nur
ein Bier. Von der billigsten Marke. Nur eine Flasche. Alle anderen
aber ließen drei Pullen, ebenfalls zum Tiefstpreis, das Band entlang
laufen. Der in meinem Rücken fiel mir nur dadurch auf, dass er als
einziger zum Feierabendbier auch rauchen wollte. Er nahm Zigaretten –
nicht die billigsten.
Alle rochen nach Rauch, nach frischer
Farbe, nach einer Arbeit, die den Geruch der Sauberkeit weggewaschen
hatte. Sie trugen den Geruch, den die alten Häuser verströmen, die
sie uns den ganzen Tag erneuern, von Kohle und morschem Holz und
Schutt. Ihre Finger waren geschwollen, die Nägel an den spitzen
schwieliger Würste lang und brüchig. Mit diesen Händen, dachte
ich, würde mir an einem Abend, an dem ich für den Fortgang der
Dinge nichts geleistet hatte, als mich um kommende Tage dieser Art zu
sorgen – an einem solch ihrigen Abend also – würde mir ein
einziges Bier genügen. Und ich erschiene vor meinem Gewissen nütze.
Als ich an der Reihe war, setzte die
Kassiererin ihr schiefes Lächeln kurz ab, um beim Polen nach mir
damit so fortzufahren, als habe ihr nur bei meinem Anblick kurz die
Nachsicht gefehlt.
Das Verpacken meiner Lebensmitteln
verschaffte dem Bautrupp die Zeit, aus meinem Blickfeld zu
verschwinden. Ich traf die drei draußen aber wieder – drei Mann in
Maleranzügen, einer mit zu viel Anmut – an den ornamentierten
Mauern, die alle alten DDR-Kaufhallen gefangen halten. Ich sah sie
gemeinsam die Chips des Ersten essen und die Zigaretten des Dritten
rauchen. Das einzige, was sie nicht teilen mochten, war das Bier. Das
Bier war die persönliche Habe. Es stand auf der Mauer in sichtbarer
Trennung. Zweimal drei Bier, einmal eins. Ihr Feierabend.
Donnerstag, 11. April 2013
Mittwoch, 10. April 2013
Dienstag, 9. April 2013
Montag, 8. April 2013
Sonntag, 7. April 2013
Dein Jazz wärmt nicht
Der Jazzmann setzt jetzt ab. Nun, da
dieser Menschenpulk an ihm vorbeiging, hört der Jazzmann also auf,
die goldfarbene Schlange zu küssen. Das Saxofon sinkt die Flanke
hinab. Und der Musiker – schwarzes Barrett auf schwarzem Haar,
grauer Trenchcoat, Kampfstiefel auf nassem, schmutzigem Brückenboden
– reibt seine Hände. Er spürt jetzt, dass es kälter wurde. Erst
als diese S-Bahn-Passagiere in allen möglichen Winkeln der Nacht
verschwunden sind, zeigt sich, dass sie ihn mit Achtlosigkeit
beschädigt haben. Ohne Gewähr zum Innehalten holte ihr Ziel sie an
ihm vorbei.
Der Jazzmann spielt heute Nacht wie
einer, der noch nie gespielt hat, hier auf der Warschauer Brücke.
Dem ewig provisorischen Steg zwischen der Niederung, wo die S-Bahnen
einheulen – sie heulen zehnminütlich spätfreitagnachts – und
dem dem eigentlichen Brückenungeheuer. Der Jazzmann hat den
Misserfolg um seinen Hals gehängt, obschon ihn daran keine Schuld
trifft. Er spielte eben die Melodie von „Pink Panther“, spielte
sie genügend gefühlvoll, trug Sorge für das beschwingende Näseln
seines Saxofons, tappte mit lustvoll zugekniffenen Augen vor und
zurück.
Er wollte dafür die Münzen der
Zielstrebigen – als Straßenmusiker auf einer Brücke. Einige
wenige Geldstücke schimmern jetzt in seinem kleinen Teller, dem
Spendenfänger aus Porzellan. Zu vieles ließ die Vorübergehenden
weghören, wegsehen, nicht fühlen. Das Dönerbrot, in das sich die
Zähne gruben, war wichtiger. Das Telefonat mit einer unpünktlichen
Freundin war wichtiger. Das Auskosten des Suffs war wichtiger. Der
Blick auf den Fernsehturm und das Vibrieren des Brückenstahls durch
den abfahrenden Zug, dies verhieß das Erlebnis. Nicht die Melodie.
Unschuldig sind die Missachtenden. Ihre Sinne litten an Betäubung.
Sie waren im Pulk. Dieser Jazzmann aber hat nur ein Prinzip: Er
spielt nicht für einzelne. Erst als ich der einzige auf der Brücke
bin, für fünf Minuten, erst als er die Schnapsflasche zitternd an
die Lippen führt, zeigt sich, dass er friert.
Donnerstag, 4. April 2013
Dienstag, 2. April 2013
Montag, 1. April 2013
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